“Sie ist ein Geschenk für jeden Trainer”
Es war angerichtet. Die Familie war da, die Freunde ebenso, die sich allesamt auf das “Heimspiel” von Laura Glaser freuten.
Mit der HSG Bensheim-Auerbach gastierte die 18-Jährige am vergangenen Samstag in der Sindelfinger Sommerhofenhalle. Dabei unterstrich der Gastgeber VfL Sindelfingen mit einem 32:28 (17:16)-Sieg seine Aufstiegsambitionen in die Erste Bundesliga nachhaltig. Viel zu sehen freilich bekam der Anhang von Laura Glaser indes von ihr nicht. Lediglich die letzten acht Minuten durfte die in Hildrizhausen aufgewachsene Junioren-Nationalspielerin im Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga Süd mitwirken. Groß auszeichnen konnte sich Laura Glaser in dieser kurzen Spanne auch nicht mehr.
Für die Nachwuchs-Torhüterin gab es dennoch keinen Grund, Trübsal zu blasen. Im Gegenteil, die 18-Jährige strahlte trotz der Niederlage gegen den VfL Sindelfingen über beide Backen und genoss das Bad in der Menge der Bekannten. Viele waren eigens wegen ihr in die Sommerhofenhalle gekommen. Dass sie nicht allzuviel von Laura Glaser zu sehen bekamen, lag hauptsächlich dran, dass Eva Giron-Timmler, die Nummer eins im Bensheimer Tor, ein gutes Spiel zeigte. Laura Glaser sah das ebenso: “Der Trainer hatte gar keinen Grund zu wechseln.”
Nicht nur diese Äußerung spricht für die erstaunliche Reife der in der Handball-Jugend der HSG Schönbuch großgewordenen Torhüterin. Bereits vor zwei Jahren wagte Laura Glaser den Sprung in die Zweite Bundesliga und damit auch den Weg raus aus dem Elternhaus. Mit 16 Jahren. Als fester Bestandteil der Juniorinnen-Nationalmannschaft riet ihr die ehemalige DBH-Auswahltrainerin Ildiko Barna zu diesem Schritt und das Angebot der HSG Bensheim-Auerbach, das vor allem den schulischen Werdegang berücksichtigte, überzeugte Laura Glaser.
Bereut hat sie den Wechsel zu keinem Zeitpunkt. “Klar fehlen mir Familie und Freunde, aber ich würde es immer wieder so machen”, steht Laura Glaser zu ihrer Entscheidung, auch wenn es damals in der Familie verständlicherweise Zweifel gab. Für Mutter Martina war die schulische Karriere wichtiger als die sportliche, doch diese Sorge konnte Laura Glaser schnell widerlegen. Auf der Schulbank ist die Wahl-Bensheimerin nicht minder erfolgreich, dieses Jahr steht das Abitur an. Martina Glaser ist stolz auf die jüngere von zwei Töchtern. “Ich weiß zwar nicht, wie sie das macht, aber es klappt hervorragend”, schmunzelt die Mama und verweist in diesem Fall zurecht auf den handballbedingt vollen Terminkalender ihrer Tochter.
Der beinhaltet in diesem Jahr unter anderem die Junioren-Europameisterschaft in Ungarn im kommenden August. Für das kontinentale Turnier gilt es sich noch zu qualifizieren. Laura Glaser will dabei sein, wenn es im März gegen Tschechien, Moldawien und die Ukraine um die Fahrkarte geht. “Bei der Europameisterschaft will ich im Tor der deutschen Mannschaft stehen”, hofft sie auf die Nominierung durch Juniorinnen-Nationaltrainerin Kathrin Blacha.
Ihre Bescheidenheit in Ehren, aber dass die Hildrizhausenerin dabei sein wird, gilt in Fachkreisen als ziemlich sicher. Nicht nur ihr Trainer bei der HSG Bensheim-Auerbach, Lazar Cojocar, hält große Stücke auf seine Nachwuchs-Torhüterin. “Laura ist ein Geschenk für jeden Trainer. Sie ist immer motiviert, gibt grundsätzlich 100 Prozent und strahlt mit ihren erst 18 Jahren eine unglaubliche Routine aus. Ich lege mich jetzt schon fest: Sie wird eine ganz Große.”
Komplimente, die Laura Glaser gerne hört, die sie aber nicht überbewerten will. “Ich bin keine Träumerin”, sagt Laura Glaser, die von ihren Mitspielerinnen liebevoll als “Psycho” bezeichnet wird. “Ich weiß, dass ich noch sehr viel an meinem Spiel verbessern muss.” Zwar misst die 18-Jährige stolze 1,76 Meter, für eine Torhüterin sei das aber nicht gerade ideal, betont Laura Glaser. “Die fehlende Größe muss ich mit Athletik wettmachen. Aber genau das treibt mich im Training an. Meine größte Stärke ist, dass ich niemals aufgebe.”
Dementsprechend will sie auch im Rennen um den Aufstieg in die Erste Bundesliga noch nicht klein beigeben. Auch nach der 28:32-Niederlage in Sindelfingen sieht sie noch keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. “Es sind noch reichlich Punkte zu vergeben. Ein Aufstieg mit Bensheim wäre natürlich die Krönung.”
Dass zum Saisonende ihr Vertrag ausläuft, macht die 18-Jährige nicht verrückt. Gerne würde sie im Aufstiegsfall mit Bensheim in der Ersten Bundesliga spielen, “aber auch eine weitere Saison in der zweithöchsten deutschen Spielkasse wäre kein Beinbruch”, so Laura Glaser, die auch einen Vereinswechsel nicht ausschließen will. “Ich bin nach allen Seiten offen. Das Primäre ist aber immer der Spaß am Handball. Das ist neben der Gesundheit die wichtigste Zutat, um erfolgreich zu sein.”EDIP ZVIZDIC
Quelle “Gäubote vom 02.02.2009″
Category: Handball in der Region






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