Es war ein entspannter Sonntagnachmittag, den die SG Haslach/Herrenberg/Kuppingen zusammen mit knapp 200 Zuschauern in der Markweghalle verbrachte. Beim 34:22-Heimsieg in der Regionalliga ließ man dem TSV Ismaning keine Chance.
Von Micha Pfitzer

Nicht aufzuhalten: Die SG-Frauen (hier Lena Krone am Ball) ließen dem TSV Ismaning keinen Stich GB-Foto: Bäuerle
SG-Trainer Heiko Fleisch war rundum zufrieden. Verständlicherweise. Obwohl sich der Favorit immer wieder kürzere, von technischen Fehlern gespickte Verschnaufpausen gönnte, überzeugten die SG-Frauen mit einer souveränen Leistung. Vor der für die Frauen stolzen Kulisse von 200 Zuschauern hatte das Team von Trainer Heiko Fleisch den schwachen Gegner aus Ismaning stets unter Kontrolle und baute seinen Vorsprung kontinuierlich bis auf zwölf Tore aus. Der 34:22-Endstand war die logische Konsequenz von 60 zumeist guten Minuten. “Besonders in der zweiten Halbzeit war es schwierig gegen einen Gegner zu spielen, der sich schon aufgegeben hat”, zeigte Fleisch Verständnis für die gehäuften Fehlwürfe und -pässe nach dem Seitenwechsel. “Man muss dem Team auch mal kurze Pausen zugestehen.”
Normalerweise ist es in der Regionalliga brandgefährlich, nicht über die volle Distanz hochkonzentriert zu spielen. Doch der TSV Ismaning, abgeschlagenes Schlusslicht in der Regionalliga, war am gestrigen Sonntagnachmittag nicht mehr als ein Punktelieferant. Nach einer passablen ersten Hälfte, aus der man allerdings schon mit einem 13:18-Rückstand herauskam, resignierten die Bayern bereits wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff und ließen sich förmlich abschießen. Trainer Erwin Heilmeier konnte es nicht fassen: “Ich bin maßlos enttäuscht von meinem Team. Wir wollten erhobenen Hauptes aus der Halle gehen. Das können wir nach der zelebrierten Selbstaufgabe leider vergessen.”
Bereits vor dem Spiel standen die Zeichen für die “Isis” nicht gut. Am Samstagabend kam eine völlig ausgelaugte Jugendnationalspielerin Helena Hertlein von einem DHB-Lehrgang in Österreich zurück. Acht Trainingseinheiten und zwei Länderspiele innerhalb von sechs Tagen hatten die letzten Kraftreserven der 17-Jährigen aufgezehrt. Für das Auswärtsspiel bei der SG fiel sie aus. “Wir hatten keine andere Möglichkeit. Sie ist noch zu jung, um so eine intensive Woche einfach wegzustecken”, erklärte Heilmeier die Entscheidung des TSV, die Nachwuchshoffnung nicht einmal mitzunehmen.
Doch damit nicht genug, musste doch Sophie Pramberger schon nach fünf Minuten beim Stande von 3:2 für die SG-Sieben verletzungsbedingt ausgewechselt werden. In einem Zweikampf mit Anja Gloger war die Ismaninger Rückraumspielerin unglücklich umgeknickt. Völlig aufgelöst musste Pramberger mit einem dicken Knöchel und dem Verdacht auf einen Bänderriss im Sprunggelenk den Rest des Spiels von der Bank aus verfolgen.
An ihrem Team ging das Missgeschick nicht spurlos vorbei. Nach nur elf Minuten lagen die geschockten Gäste mit 3:8 deutlich zurück. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hatte der Favorit aus dem Gäu die Weichen für den Heimsieg gestellt. Für Heilmeier hatte die Verletzung Prambergers deshalb entscheidende Wirkung: “Das war der Knackpunkt in unserem Spiel. Die Mannschaft traute sich danach nichts mehr zu.”
SG-Coach Heiko Fleisch indes konnte dem Spielgeschehen sehr entspannt folgen. Seine Mannschaft ließ keinen Zweifel am Favoritensieg und rehabilitierte sich für den peinlichen Heim-Auftritt gegen Ketsch II vor zwei Wochen. In der Abwehr stand der Tabellenzweite sicher wie die Bank von England und sorgte – wie von Fleisch gefordert – dafür, dass der TSV für einen Torerfolg großen Aufwand betreiben musste. Die Gäste waren oftmals zu passiv gegen die gut aufgestellte SG-Abwehr, so dass immer wieder der Arm von den Schiedsrichtern Christian Beuthner (Ulm) und Dominic Fiess (Tiefenbronn) zur Zeitspiel-Anzeige hochging.
Die SG-Torfabrik lief dagegen wie geschmiert. Nach Ballgewinnen in der Defensive stürmten die Gastgeber oft blitzschnell nach vorne und demoralisierte die Bayern mit jedem weiteren Treffer. Ging es dann einmal ins Stellungsspiel, holten die beiden Kreisläuferinnen Berna Ulucan und Daniela Weiß immer wieder geschickt Siebenmeter heraus. Von den insgesamt elf Strafwürfen verwandelte Anja Gloger die ersten neun traumwandlerisch sicher und war mit 15 Treffern wieder erfolgreichste Schützin auf dem Feld.
Zwar geriet das Offensivspiel Mitte der ersten Halbzeit ins Stocken, weil Spielmacherin Claudia Janoch konsequent von Jennifer Oertel kurzgedeckt und aus dem Spiel genommen wurde – auf das Torepolster hatte die Schwächephase aber keinen Einfluss. Den Fünf-Tore-Vorsprung aus den ersten elf Minuten nahm die SG nach einer guten ersten Halbzeit mit in die Pause. Direkt nach Wiederanpfiff führten Fleischs Schützlinge endgültig die Entscheidung herbei. Nach zehn Minuten war man auf 25:16 davongezogen. Die Ismaninger ließen nun jegliches Regionalliganiveau vermissen und gaben auf. Die SG baute den Vorsprung weiter aus, gönnte sich allerdings einige Verschnaufpausen, die vom TSV nicht zur Ergebniskorrektur genutzt wurden. Erwin Heilmeier haute nach Spielende förmlich auf den Tisch: “Jede einzelne Spielerin muss sich für die heutige Leistung schämen. An sich sollten sie als Strafe zu Fuß nach Hause gehen.”
Sein Gegenüber auf der Trainerbank, Heiko Fleisch, war mit dem Spielergebnis sehr zufrieden: “Natürlich haben wir einige Leichtsinnsfehler gemacht, aber es ist schwer, über 60 Minuten voll konzentriert zu spielen, wenn der Gegner so schwach ist.” Trotz kleinerer Auszeiten holten sich seine Frauen nicht nur den achten Heimsieg im achten Heimspiel der Saison, sondern taten auch noch einiges für das Torverhältnis, das am Ende über den Aufstieg in die Zweite Bundesliga entscheiden könnte. Wieso sollte der SG-Trainer also nicht einfach mal fünfe gerade sein lassen?
SG Haslach/Herrenberg/Kuppingen: Marquart, Niepel (beide im Tor), Janoch (6), Ulucan (2), Dinkelacker, Miriam Gloger, Wehe (3), Mäurle (3), Eisenmann (1), Zang (1), Krone, Anja Gloger (15/9), Kipp (3), Weiß
TSV Ismaning: Becker, Völkel (beide im Tor), Paras (5), Großer, Pramberger, Krause (3/1), Steinkohl, Oberhuber (2), Neckar, Hascher (1/1), Oertel (3), Block (2), Schöfbeck (6)
“Quelle:Gäubote vom 8.Februar 2010″










