“Das war die schönste Zeit meiner Karriere”

Erstellt am 21. Februar 2012

Kathrin Mäurle hat es sich noch einmal überlegt: Eigentlich wollte die Handballerin des Landesligisten SV Vaihingen das nächste Punktspiel am kommenden Samstag (18.15 Uhr) absagen, nun will sie aber doch mitwirken. Der Grund für einen Verzicht wäre keine Verletzung oder eine anderweitige Verpflichtung gewesen, sondern schlicht der Gegner, dem sie aufgrund zu vieler persönlicher Freundschaften beim Kontrahenten eigentlich nur ungern gegenüberstehen möchte.

So hätte sich Kathrin Mäurle (am Ball) gerne viel häufiger für die SG in Aktion gesehen. Verletzungen machten ihr einen Strich durch die Rechnung GB-Foto (Archiv): Bäuerle

Die Vaihinger Damen spielen gegen die SG H2Ku Herrenberg II – nicht nur der aktuelle Tabellenführer, sondern auch der Ex-Verein der 26-Jährigen.

Auch wenn Kathrin Mäurle aufgrund eines Kreuzbandrisses schon seit elf Monaten nicht mehr für die Spielgemeinschaft aus dem Gäu auf dem Parkett stand, so lag ihr Spielerpass doch noch bis kurz vor Weihnachten bei der SG, für deren erste Mannschaft sie zuletzt fast vier Jahre lang in der dritthöchsten deutschen Spielklasse auf Torejagd ging. Die Kontakte zum Ex-Club, auch die zur Landesliga-Reserve, sind dementsprechend noch immer bestens: “Das war die schönste Zeit meiner Handballkarriere, ich habe zu Trainer Heiko Fleisch und zu den Mädels aus der ersten und zweiten Mannschaft ein super Verhältnis und bin auch noch regelmäßig bei den Spielen dabei”, sagt Kathrin Mäurle.

Bei diesen Worten klingt die angehende Grund- und Hauptschullehrerin etwas sentimental, denn schließlich würde sie wohl auch heute noch für die SG in der dritten Liga gegen Nürtingen, Waiblingen und Allensbach aktiv sein, hätte ihr nicht das verflixte Verletzungspech einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gleich im ersten Spiel bei der SG, kurz nach dem Wechsel aus Echterdingen, riss 2008 das Kreuzband im Auswärtsspiel in Sindelfingen zum ersten Mal. Nach einer steinigen Reha-Phase und nach einer weiteren Pause aufgrund eines Fingerbruchs, passierte dann im März 2011 zwei Minuten vor dem Ende des Spiels gegen Sulzbach/Leidersbach das gleiche Malheur noch einmal, diesmal im anderen, dem linken Knie. “In dem Moment hatte ich mit Handball abgeschlossen, weil ich weder die Kraft noch die Lust hatte, das Ganze noch einmal mitzumachen und mich wieder monatelang heranzukämpfen”, sagt Kathrin Mäurle im Rückblick.

Gut elf Monate sind seither vergangen und Kathrin Mäurle steht doch wieder auf dem Feld. Allerdings nicht mehr bei der SG H2Ku Herrenberg, sondern drei Klassen tiefer bei ihrem Stammverein SV Vaihingen, bei dem sie einst in der C-Jugend mit dem Handball begonnen hatte. Gedacht war das Ganze eigentlich als einmalige Juxaktion: “Ich hatte den Wunsch, irgendwann noch einmal gemeinsam mit meiner Schwester Tanja ein Spiel zu bestreiten, und als mir die Ärzte grünes Licht gaben, haben wir es probiert”, sagt Kathrin Mäurle, die kurz vor Weihnachten in der Bezirksklasse Esslingen/Teck an der Seite ihrer Schwester im Trikot des SV Vaihingen II das zweite Comeback ihrer Laufbahn gab.

Dabei ist es allerdings nicht geblieben, denn gleich im Anschluss folgte das Angebot zweier ehemaliger Mitspielerinnen aus Vaihinger Jugendtagen, doch der ersten Mannschaft des Filderclubs im Abstiegskampf der Landesliga zu helfen. “Ich habe nach langem Überlegen zugesagt, aber nur unter der Prämisse, dass ich jederzeit ein Training abbrechen oder auf ein Spiel verzichten kann, wenn es die Gesundheit nicht zulässt”, sagt Kathrin Mäurle. Gezwickt hat das Knie in den vergangenen Wochen schon ein paarmal und dennoch macht die Aushilfstätigkeit momentan Spaß, auch deshalb, weil der Aufsteiger dank seiner Wiedereinsteigerin mit höherklassiger Erfahrung nach zuletzt zwei, und insgesamt drei Rückrundensiegen, auf einem guten Weg in Richtung Klassenverbleib ist. “Ich bin zurzeit bei etwa 50 Prozent dessen, was ich eigentlich kann und ich bin auch übervorsichtig und halte mich oft zurück, weil ich eine dritte schwere Verletzung unter allen Umständen vermeiden will”, sagt Mäurle.

Eine weitere Verletzung würde nämlich nicht nur die sportliche Karriere definitiv beenden, sondern auch die berufliche Laufbahn behindern. Die Abwehrspezialistin ist derzeit als Referendarin für Sport, Deutsch und Religion an zwei Ditzinger Schulen beschäftigt und wird nach Abschluss der letzten Prüfungen im kommenden Schuljahr komplett in den Schuldienst übernommen. “Meine Rektorin hat mir verboten, dass ich mich noch einmal verletze”, sagt Kathrin Mäurle mit einem Lachen. Deshalb hat sie momentan auch keine Ambitionen, künftig noch einmal höherklassig in den Leistungssport zurückzukehren. “Wenn ich überhaupt noch einmal weiter oben als in der Landesliga spielen würde, dann nur in Herrenberg. Nach derzeitigem Stand kann ich das aber ausschließen, auch wenn es mich sportlich reizen würde”, sagt die Vaihingerin. HARALD LANDWEHR

“Quelle:Gäubote vom Dienstag,21.Februar 2012″

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