Ausblick auf die neue Runde

Nach einer Aufstiegssaison, die einer Achterbahnfahrt glich, steht die 1. Frauenmannschaft vor ihrer zweiten Runde in der Regionalliga Süd. In dieser soll der tolle Start des letzten Jahres, der mit einem denkwürdigen 30:18 Auswärtssieg beim späteren Zweitligaaufsteiger VfL Sindelfi ngen begann, wenn möglich wiederholt werden. Ein großes Augenmerk möchte das Trainergespann Heiko Fleisch und Claus Wilke auf die Konstanz der Leistungen ihrer Schützlinge legen, um eine Schwächephase wie in der letzten Saison um den Jahreswechsel herum zu vermeiden. Die Mannschaft hatte zu diesem Zeitpunkt die Aufstiegseuphorie größtenteils verloren und fi ng an, an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln. Dies führte in einen Abwärtsstrudel, der die Mannschaft gefährlich nahe an die Abstiegregion heran brachte. Diese Abstiegsregion nahm aufgrund von Staffelverkleinerungen des Verbandes Formen an, die den sportlichen Leitern Reimar Hartmann und Ingo Janoch einige schlafl ose Nächte bescherte. Bei mindestens sechs Absteigern wurde nahezu jedes Spiel der Rückrunde zum Endspiel um den Klassenerhalt.
Anfangs schien es so, als könne die Mannschaft diesem Druck nicht standhalten und es wurden wichtige Partien wie beispielsweise zu Hause gegen Leipzig und auswärts in Ismaning gegen direkte Abstiegskonkurrenten verloren. Doch nun zeigte sich der große Zusammenhalt und die intakten Strukturen in der 1. Frauenmannschaft. Nach einer reinigenden Aussprache raffte sich die Mannschaft auf und kämpfte im anschließenden Heimspiel den TV Möglingen nieder. Im nachhinein kann man dieses Spiel getrost als Beginn einer grandiosen Rückrunde bezeichnen, in der nahezu alle „Endspiele” um den Klassenerhalt gewonnen wurden, und die in einem, nicht zu übertreffenden, Herzschlagfi nale in Ottersweier endete. Der letzte Absteiger aus der Regionalliga konnte zu diesem Zeitpunkt nur noch SG H2Ku oder die 2. Mannschaft des Deutschen Meisters 1. FC Nürnberg heißen. Nürnberg hatte alles akribisch geplant,

das Heimspiel der Bundesligamannschaft verlegt, um alle Talente im entscheidenden letzten Spiel gegen Ottersweier einsetzen zu können. Für die SG war klar, ohne einen Sieg in Ottersweier im vorletzten Spiel, würden die Chancen auf einen Klassenerhalt erheblich sinken. Ohne den berufl ich verhinderten Heiko Fleisch aber mit einer unglaublichen kämpferischen Einstellung ausgestattet, schaffte das Team, um die in dieser Saison überragende Claudia Ziebe, kurz vor Schluß den Ausgleich einer schon verloren geglaubten Partie und hatte sogar noch die minimale Chance mit einem direkten Freiwurf das Spiel zu gewinnen.
Und das Wunder geschah: Hatte die Mannschaft kurz zuvor noch unglaubliches Pech bei der Auswärtsniederlage in Neustadt/Sebnitz gehabt, war ihr nun das Glück hold und Claudia Ziebe versenkte den direkten
Freiwurf im Tor von Ottersweier. Was sich danach auf dem Spielfeld für Szenen abspielten, spiegelte nochmals eindrucksvoll den Verlauf der gesamten Runde wieder. Unserem Team gelang es zwar manchmal noch nicht die Anweisungen und Vorstellungen von Neu-Trainer Heiko Fleisch umzusetzen um ihre Spiele erfolgreich zu gestalten, den Klassenerhalt hat man aber dank unbändigem Trainingseifer, Kampfgeist und mannschaftlichem Zusammenhalt geschafft.
Für die neue Saison möchte Trainer Heiko Fleisch, den erweiterten Gegenstoß und das 1:1-Abwehrverhalten verbessern, um die gewünschte Stabilisierung der Mannschaftsleistung und die Etablierung in der
Regionalliga zu erreichen.
Es läßt sich aber schon zum heutigen Zeitpunkt eine klare Handschrift der Trainingsarbeit von Heiko Fleisch ablesen, der die, unter Robert Volk gestartete, Entwicklung konsequent fortführt. Neben dem Verbleib nahezu aller Leistungsträgerinnen muß die SG dennoch 4 Abgänge verkraften. Nicht mehr im Kader sind in dieser Runde Judith Hörmann (studienbedingt), Stefanie Dirr (studienbedingt) und Vanessa Bessey (berufsbedingt). Alle drei werden aber unsere 2. Frauenmannschaft verstärken. Michaela Barthold bekam im August zum zweiten Mal Nachwuchs und legt daher eine Babypause ein. Neu im Kader sind Elisabeth Kipp vom TV Nellingen, Svenja Meyer (NH Bornholm), Conny Wagner (eigene Jugend), Heimkehrerin Cinja Wehe von der HSG Schönbuch und Dorothea Rebber vom TV Ashausen/Gehrden. Mit Elisabeth Kipp wechselte eine erfahrene Spielerin vom Zweitbundesligisten TV Nellingen zu uns, die als Rechtshänderin sowohl auf Halbrechts als auch auf Rechtsaußen spielen kann. Sie kennt Trainer Heiko Fleisch sehr gut aus Nellinger Zeiten und wird sich daher sehr schnell in sein Spiel-System einfi nden. Neben Ihrer sportlichen Zukunft hat „Eli” auch ihre Berufl iche ins Gäu verlagert. Sie arbeitet als Lehrerin an der Grundschule in Oberjesingen.
Fastneuzugang Svenja Meyer, die schon Mitte letzter Runde zur SG stieß, absolviert gerade in Referendariat als Grundschullehrerin in Rottweil. Die groß gewachsene Schleswig-Hosteinerin konnte in der abgelaufenen Saison ihr Potential aufgrund von Trainingsrückstand selten abrufen. Im Verlauf der Saisonvorbereitung wurde aber schnell klar, welch wichtige Rolle die Abwehrspezialistin im 6:0 Deckungsverband spielen kann. Als dritte Torhüterin hat Conny Wagner in dieser Saison die Möglichkeit im Training und vielleicht auch in der Regionalliga erste Erfahrungen im Aktivenbereich zu sammeln.
Mit Cinja Wehe kommt ein Talent von der HSG Schönbuch zurück zur SG, das sich dort enorm weiterentwickelt hat. Als Allrounderin kann Cinja auf vielen Position zum Einsatz kommen. Es wird spannend werden
zu beobachten, wie schnell sie sich auf die Schnelligkeit und Härte der Regionalliga einstellen kann.
Völlig unverhofft konnte die SG im August noch einen letzten Neuzugang vermelden. Aufgrund einer Promotion Ihres Lebensgefährten an der Universität Tübingen zog es Dorothea Rebber in den Süden. Die 28-jährige Juristin wollte eigentlich nur mit trainieren. Doch schon nach 3 Einheiten war „Doro” von den „Kuties” begeistert und die sportliche Leitung sicher, dass sie das Team im Rückraum aufgrund ihrer Erfahrung weiterbringen wird.
Auch in dieser Saison muß die Mannschaft wieder einige sehr weite Auswärtsfahrten auf sich nehmen. Neben den schon bekannten Gegnern Riesa, Leipzig und Neustadt/Sebnitz gelang auch der 2. Mannschaft
des SC Markranstädt (2. Bundesliga) der Aufstieg in die Regionalliga. Somit müssen die „Kuties” ein zweites Mal in die Umgebung von Leipzig fahren. Ein Novum für die Mädels wird ein Doppelspieltag im Osten
der Republik. Im November wird die Mannschaft zwischen den Spielen gegen Riesa und Leipzig in Riesa übernachten um Reisekosten zu sparen. Trainer Heiko Fleisch hat mit Doppelspieltagen schon in Nellingen
positive Erfahrungen gemacht.
Neben den arrivierten Ostvertretern der Regionalliga haben sich auch die SG Leuterhausen und die TSG Ketsch II aus dem Badischen und der ESV Regensburg aus Bayern in der dritthöchsten Spielklasse zurückgemeldet. Welche Mannschaften in dieser Saison die Favoriten-Rolle in der Regionalliga einnehmen, ist für Spielleiter Ingo Janoch nur schwer einzuschätzen. Außer Riesa verhielten sich alle Mannschaften zurückhaltend auf dem Transfermarkt. Es wird in dieser Runde zu Duellen kommen, in denen Mannschaften mit sehr starken Einzelkönnern auf Teams mit sehr großer mannschaftlicher Geschlossenheit treffen. „Wer beide Komponenten am besten vereint, wird wohl am Ende ganz oben stehen.”
Trainer Heiko Fleisch legt sehr großen Wert darauf, die Heimspiele mit der Unterstützung der Zuschauer in der Markweghalle erfolgreich zu gestalten, um den eingeschlagenen Weg in der Regionalliga weiter zu
beschreiten. Wenn die Mannschaft die Vorgaben des Trainers beherzigt und den Ehrgeiz der letzten Saison weiterführt, steht einer Saison ohne Abstiegssorgen und mit Blick nach oben nichts im Wege.